Gegen "Idiotisierung des Abendlandes"

Wellküren begeisterten im "Mensa-Theater" des Finsterwalder-Gymnasiums

Erreicht haben die Wellküren in den vergangenen drei Jahrzenten ja nach eigenem Ermessen schon so einiges: "Wackersdorf verhindert, Olympia 2018 in München ebenso". Für die Selbsthilfegruppe "Plötzlich Oma" fühlen sie sich noch zu jung und zur Ruhe setzen geht sowieso nicht, angesichts der aktuellen Lage, da "braucht man nur mal nach Ungarn, in die Türkei oder in die USA zu schauen". Da ziehen Moni, Bärbel und Burgi aus Schweinshausen lieber mit ihrer Jubiläumstour durch die Lande. Station machten sie jetzt auch im ausverkauften "Mensa-Theater" des Finsterwalder-Gymnasiums. Eingeladen zu dem vergnüglichen und höchst professionellen Kabarettabend hatte der Förderverein des Finsterwalder-Gymnasiums.

An Temperament haben die Wellküren in den vergangenen 30 Jahren nichts eingebüßt. Bei ihrem Auftritt in Rosenheim sprühten sie nur so vor Energie. Stimmlich und instrumental begeisterten sie von Anfang bis Ende. Ihr Repertoire mit Ukulele, Tuba, Harfe, Posaune, Gitarre und Hackbrett reichte von Schlager bis Jazz über Filmmusik bis hin zur Klassik. Bayrische Stubnmusi durfte natürlich auch nicht fehlen, statt traditionell präsentierten die Wellküren diese aber lieber modern. Besondere Begeisterung beim Puplikum rief der Einsatz der Nonnentrompete mit ihren herrlich schrägen, schnarrenden Tönen hervor, geradezu wie gemacht für die Melodie von "Spiel mir das Lied vom Tod".

Schon mittels Musik teilten die Schwestern gekonnt Seitenhiebe gegen jeden und alles aus. So richtig bitterböse wurden sie aber immer dann, wenn sie nicht sangen oder musizierten. Gänzlich in Rage steigerte sich Moni, als das Thema auf die freistehende Badewanne des Limburger Bischofs fiel.
Nach 30 Jahren Bühnenleben wird es dann aber auch Zeit, sich mit dem Alter auseinanderzusetzen, insbesondere der "Hormonellen Demenz". Von Liebesschnulzen halten die Schwestern zwar immer noch nichts, aber eine Hommage an die Ehemänner darf es nach so vielen Jahren, in denen sie eher selten daheim waren, dann doch mal sein. Ansonsten musste das männliche Geschlecht aber wieder enorm viel einstecken.

Das allzu Menschliche und Zwischenmenschliche reichte Moni, Bärbel und Burgi aber nicht. Sie verstehen sich nach wie vor auch als "Protestsängerinnen" und stellten sich in dem gut zweieinhalbstündigen Programm mit ihrem Dreigesang vehement "gegen die Idiotisierung des Abendlandes". Söder und Seehofer bekamen ebenso ihr Fett weg wie Trump. Was grenzt an Dummheit?, fragten die Schwestern mit schelmischen Blick in die Runde und gaben gleich selbst die Antwort:"Mexiko und Kanada!". 

(Karin Wunsam, OVB 5.10.2017)

Keine "leichte" Unterhaltung

Ottfried Fischer und die Heimatlosen traten mit "Wandogo Filosofi" im Mensa-Theater auf

Wer auf "leichte" Unterhaltung hoffte, der war falsch. Das lag nicht nur daran, dass der Förderverein des Finsterwalder-Gymnasiums Rosenheim für sein siebtes Mensa-Theater das kabarettistische Schwergewicht Ottfried Fischer engagiert hatte. Statt humorvoll war das Bühnenprogramm tiefgründig, melancholisch und provozierend. Für Auflockerung sorgten die Musiker der Heimatlosen mit schrägen Jazztönen. Fernseh-Serien wie "Irgenwie und Sowieso" und "Der Bulle von Tölz" haben Ottfried Fischer bekannt gemacht. Der 63-Jährige kann aber weit mehr als den gemütlichen und lustigen "Dicken" geben. Vor allem ist er ein scharfsichtiger Kabarettist.

Im Jahre 2008 machte er seine Parkinson-Erkrankung öffentlich. Seitdem wird er in der medialen Welt mehr über dieses Leiden wahrgenommen als über sein Können. "Wenn du krank bist, wollen dich die Leute krank sehen", hat der Kabarettist vor einiger Zeit in einem Interview gesagt. Der Bayer steht zu seiner Krankheit, will sich aber keinesfalls darauf reduzieren lassen.

Zu Recht: Das Gehen fällt ihm mittlerweile schwer und Mimik und Gestik sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Doch wenn man diese Symptome ausblendet, bleibt ein Mann mit einem hellwachen, philosophischen Geist und Gespür für feinsinnigen Humor. Die zweieinhalbstündige Bühnenshow wirkt verrückt und abgedreht. Fischer und die Musiker der Heimatlosen sind Schiffbrüchige des Kreuzfahrtschiffs Aida. Es ist ein gefährliches Unternehmen und darum lässt Ottfried Fischer die "Heimatlosen" zu ihrem eigenen Schutz zu Beginn der Show gleich einmal mit Fußfesseln ausstatten.

Was die Zuschauer dann erwartet ist eine Reise in die Erinnerungen und zu den Weltansichten des Ottfried Fischer. Der Kabarettist gibt Gedanken, Gedichte und sogar Gesang zum Besten. Darin geht es um die erste Liebe ebenso wie um gesellschaftliche Themen. "Wir wissen nicht, wie kostbar Frieden ist, weil wir den Krieg nicht mehr kennen", sagt er an einer Stelle und beendet die Aufführung mit den philosophisch klingenden Worten "Ich lebe und weiß nicht wie lange, ich sterbe und weiß nicht wann!"

(Auszug aus OVB 31.01.2017 von Karin Wunsam)