30.11.2018: Aufbruch zu einer neuen Streitkultur

Bestsellerautor zu Gast am Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium

„Deutschland, du bist mir fremd geworden“, so heißt das aktuelle Buch, das der Bestsellerautor, Politikberater und Beteiligungsexperte Erik Flügge den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums vorstellte und über dessen Inhalte zwei Stunden lang intensiv diskutiert wurde.

Das Buch zeichnet ein Gesellschaftsporträt der Bundesrepublik und ihres inneren Zustands. Mit Entsetzen blickt der Autor darin auf die immer größer werdenden Spannungen in unserem Land. Der Ton in Deutschland werde immer schärfer – ob im Internet, auf der Straße oder im Bundestag, so der Autor. Die Entfremdung zwischen Bevölkerungsteilen und der Verdruss vieler Wählerinnen und Wähler hätten zudem direkte Auswirkungen auf den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

So bemerkte Erik Flügge zu Beginn der Lesung, dass der Großteil der anwesenden Schülerinnen und Schüler eigentlich nur das politische „System Merkel“ in ihrem bisherigen politischen Bewusstsein kenne und viele womöglich der Ansicht seien, politische Auseinandersetzung sei stets mit Hass und gegenseitigen Beleidigungen verbunden. „Eure Lehrer können sich sicherlich noch an eine Zeit erinnern, in der Politik vor allem auf der Sachebene stattfand und von gegenseitigem Respekt getragen war“, bemerkte Flügge und erntete die Zustimmung der älteren Zuhörer. Zu einer solchen Streitkultur müsse die Demokratie der Bundesrepublik unbedingt wieder zurückkehren.

Mit Erschrecken stellte der studierte Politologe und Germanist darüber hinaus fest, dass bereits ein innerer Wandel in den Reihen der Jugendlichen bemerkbar sei. So sei heute nicht mehr einheitlich davon auszugehen, dass das Verbot von Folter im Rahmen der Strafverfolgung als selbstverständlich und notwendig zu bewerten ist. Immer mehr Jugendliche seien der Ansicht, in bestimmten Situationen sei dieses Verbot, das unser Grundgesetz verlangt, aufzuheben. Hier werde ein erschreckender Wertewandel in unserem Land deutlich.

Nach einer kurzen Lesung aus seinem aktuellen Buch schaute Erik Flügge in der folgenden Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern des SFG auf die Politik in Bayern, auf das politische Berlin und auf einzelne Entwicklungen der Weltpolitik. Mit Kopfschütteln stellte er dabei fest, dass der Kontakt zwischen Volk und Volksvertretern immer mehr abreiße. Der politische Stratege und erfolgreiche Wahlkampfplaner analysierte zudem den „politischen Burnout“ der deutschen Demokratie und erklärte den interessierten Schülerinnen und Schülern zahlreiche innere Mechanismen einer Veränderung, die derzeit in Deutschland erkennbar seien. Dabei scheute er sich auch nicht, die Sprache und Überheblichkeit heutiger Politik anzusprechen.

Mit fulminantem Fachwissen sowie einer bilderreichen und klaren Sprache beantwortete Erik Flügge die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler des SFG. Diese interessierten sich in erster Linie für Motive der Wahlkampfstrategie der Parteien in den Landtagswahlen in Bayern und Hessen, für den Dieselskandal, für außenpolitische Themen oder die Möglichkeiten des Ausbaus des Breitbandnetzes in Deutschland. Interessanterweise gingen die Jugendlichen kaum auf das Thema Migration ein, obwohl dieses in den Medien noch immer von zentraler Bedeutung sei, wie Erik Flügge feststellte. So unterstrich der langanhaltende Applaus am Ende der Veranstaltung, dass sich Jugendliche von heute eine neue Streitkultur wünschen, wie sie Erik Flügge in den zurückliegenden zwei Stunden geboten hatte.