17.07.2020: Vom Glück der Gemeinschaft - Abiturfeier am Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium

Unsere besten Abiturientinnen und Abiturienten (Teil 1)

Unsere besten Abiturientinnen und Abiturienten (Teil 2)

Alles Gute!

A million dreams – wer denkt nicht gerne daran zurück, welche Träume man als junger Mensch in sich trägt, wenn einem die Welt offensteht und die Freiheit eines selbstgestalteten Lebens winkt? Somit brachte der Beginn der Abiturfeier am Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium die Emotionen der Abiturientinnen und Abiturienten auf den Punkt, als der Finsterwalder Virtual Choir (FVC) mit diesem Song der Sängerin Pink die feierliche Veranstaltung einleitete. Der FVC ist ein Musikprojekt am SFG, das es ermöglicht durch das Zusammenführen daheim aufgenommener Einzelstimmen der Chormitglieder ein gemeinsames Musikerlebnis zu schaffen, auch wenn ein gleichzeitiges Auftreten und Singen in einem Raum coronabedingt nicht möglich ist. Musikalisch gestaltet wurde die Feier neben dem FVC durch Eva Brockhaus, selbst Abiturientin, die am Kontrabass solistisch virtuos brillierte.

Wegen der Maßgaben für Veranstaltungen wurden die Abiturzeugnisse in diesem Jahr, das so ganz anders war als alle anderen Schuljahre davor, in gleich zwei Feiern überreicht, sodass auch die Eltern an diesem wichtigen Schritt ins Erwachsenenleben teilnehmen konnten.

Gerade in diesem Jahr, in dem vieles anders lief, als es sich mancher erhofft hatte, dürfen die Schülerinnen und Schüler stolz auf ihren Schulabschluss sein, betonte Schulleiterin Brigitte Würth. Und doch wurde in der Zeit des plötzlich erforderlichen Lernens daheim so manches deutlich, was für ein glückliches und erfolgreiches Leben wirklich notwendig ist: Freiheit als wertvolle und zurecht gefeierte Errungenschaft kann, wenn sie als oberstes und einziges Ziel verfolgt wird, in die Einsamkeit führen. Daher ist es für den Menschen als soziales Wesen charakteristisch – wie gerade in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen und des Lernens daheim deutlich wurde –,dass sie ergänzt werden muss durch Beziehungen, die die Menschen miteinander verbinden und Halt geben. Freiheit allein macht unabhängig, aber erfüllt eben nicht auf Dauer. Der populäre neapolitanische Philosoph Luciano de Crescenzo bringt dies durch das Bild der in Neapel typischen Wäscheleinen, die die Häuser miteinander verbinden, zum Ausdruck. Gerade die Schule als Ort der Begegnung von vielen unterschiedlichen Individuen ermöglicht dieses gegenseitige Unterstützen und sich Ausprobieren mit verschiedenen „Wäscheleinen“ – ob bei Schülern untereinander, zwischen Schülern und Lehrkräften, in Bereichen individueller Begabung und persönlicher Interessen, wie Wahlkursen im musikalischen oder künstlerischen Bereich, im Sport oder in den Naturwissenschaften. Gemeinschaft ist das, was es Menschen ermöglicht, auch große Probleme zu lösen, an denen ein einzelner scheitert. Mit einem Blick in die Zukunft forderte Schulleiterin Brigitte Würth die Abiturientinnen und Abiturienten auf, diesen Gedanken der Gemeinschaft auch nach der Schulzeit nicht aus den Augen zu verlieren. Ob Klimawandel, soziale oder ökonomische Herausforderungen – stets sind kreative und innovative Lösungen gefordert, die nur im Zusammenwirken und globaler Vernetzung nachhaltige Ergebnisse ermöglichen. Zwölf Jahre Schulbildung und die in dieser Zeit erworbenen Kompetenzen, nicht nur in den jeweiligen Fächern, sondern gerade auch im sozialen Bereich, legten dafür die besten Voraussetzungen.

Für den Elternbeirat beglückwünschten Frau Meyer und Frau Heick die Abiturientinnen und Abiturienten zu ihren Leistungen und wünschte Ihnen viel Erfolg für den weiteren Lebensweg.

In einer kurzweiligen Rede zog Leonhard Reichel stellvertretend für seinen Abiturjahrgang ein Resümee der Schulzeit. Diese sei wie die Odyssee eine Reise mit Höhen und Tiefen gewesen, die aber durchaus als Reifeprozess der Persönlichkeit verstanden werden könne. Dazu gehöre der Umgang mit Niederlagen und Enttäuschungen genauso wie das Lernen des Treffens von Entscheidungen oder das Erlangen einer gewissen Allgemeinbildung. Phasen der Anstrengung und des Ehrgeizes hätten sich mit Entspannungsphasen abgewechselt. Gerade dieser Abiturjahrgang sei mit Sicherheit derjenige gewesen, der am wenigsten in der Schule anwesend gewesen sei und trotzdem das Abitur erhalten habe: Sturmfrei, schneefrei und der Corona-Lockdown hätten natürlich die Vorbereitungen auf das Ziel Abitur ordentlich durcheinandergebracht. Doch gerade diese Erfahrung, auf sich allein gestellt zu sein, habe noch einmal die Gemeinschaft – auch die mit den Lehrkräften – gestärkt. Abschließend dankte Leonhard Reichel für die gemeinsame Zeit in der Schulfamilie sowie den Eltern, den Lehrkräften und insbesondere der Oberstufenkoordinatorin, Ursula Stadler, für die Unterstützung.

Schließlich folgte der zentrale Teil der Feier, die Verleihung der Abiturzeugnisse – natürlich immer mit dem gebotenen Abstand – und die Ehrung für besonderes Engagement im Schulleben. Von den 75 Abiturientinnen und Abiturienten erreichten in diesem Jahr elf einen Zeugnisdurchschnitt von 1,5 und besser, davon vier mit der Traumnote 1,0: Carlotta Kapellmann, Amelie Langer, Leonhard Reichel und Marietta Stegmaier. Michelle Rakic und Anna Schuster mit 1,1 sowie Eva Brockhaus und Lea Holzinger, jeweils mit einem Schnitt von 1,2, Theresa Orthuber mit 1,3, Ole Reimers mit 1,4 und Verena Aull mit 1,5 stehen mit ihren Leistungen ebenfalls an der Spitze. Oberstufenkoordinatorin Ursula Stadler moderierte die Übergabe der Zeugnisse sowie die Ehrung für besondere außerunterrichtliche Leistungen im Dienste der Schulgemeinschaft, z. B. im Schulsanitätsdienst, in den Musikensembles der Schule oder als Schülersprecher. Die Georg-Dax-Stiftung der Firma Kathrein zeichnete die vier besten Abiturienten mit dem Schnitt von 1,0 mit einem Preisgeld von jeweils 500 € aus. Wie auch im vergangenen Jahr stiftete die Firma Adphos aus Bruckmühl einen mit 300 € dotierten Physik-Abiturpreis, der in diesem Jahr Marietta Stegmaier für sehr gute Leistungen im Physikabitur verliehen wurde. Sie erhielt auch eine Urkunde von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie einen Buchpreis.

Die besten Absolventinnen und Absolventen wurden anschließend durch ein Buchgeschenk, das vom Förderverein gestiftet wurde, besonders geehrt. Trotz der besonderen und so ganz anderen Umstände konnten damit die Abiturientinnen und Abiturienten gebührlich in einem feierlichen Rahmen aus der Schule entlassen werden und dürfen sich nun daran machen, ihre Träume in die Wirklichkeit umzusetzen.